• Daniel Wenk

Wie ich versuche, Wege aus meiner inneren Unruhe zu finden


Gerade zu Beginn eines neuen Jahres fühle ich mich jeweils seltsam bewegt. Irgendeine Kraft treibt mich um. Kennst du das auch? Im Magazin «happinez» las ich von den sogenannten Raunächten (oder Rauhnächten) und kam somit ein wenig mit der esoterischen Welt in Kontakt.

«Es sind Nächte ausserhalb der Zeit, so heisst es. Nächte, in denen sich die Schleier zur Anderswelt lichten und enthüllen, was uns ansonsten verborgen bleibt», erklärt das Magazin geheimnisvoll. Seit der frühen Neuzeit gelten die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 5. Januar als magische Phase. Tatsächlich kommt eine solche Vorstellung nicht von ungefähr, denn die Raunächte stellen wahrhaftig eine Lücke in der Zeit dar. Diese Lücke entstand mit der Umstellung vom Mond- auf den Sonnenkalender. Das liess sich so korrigieren: Um die Differenz zwischen zwölf Monaten in Mondphasen (354 Tage) und dem Sonnenjahr (365 Tage) auszugleichen fügten die Kelten 11 Schalttage ein – und sahen diese Tage nun als ausserhalb der Zeit liegend an. Weil man glaubte, in diesen Nächten ausserhalb der Zeit könne keine Tätigkeit fruchten, ruhte auch die Arbeit. Die Menschen versammelten sich um ihre Herdfeuer – und taten das, wofür eben sonst keine Zeit war: Sie erzählten, hielten inne, lauschten alten Geschichten, ihren eigenen Gedanken. In diesen elf Tagen, die keine Pflichten und keinen Alltag kannten, teilten sie, was wahrhaft kostbar ist. Freundschaft. Verbundenheit. Liebe. Und: Zeit. So gelten die Raunächte seit jeher als eine Zeit der Einkehr, die das Tor aufstösst zu einer magischen Dimension.


Ob mein merkwürdiges Gefühlschaos während dieser Zeit wohl wirklich einen derart esoterischen Ursprung hat? Mir gefällt der Gedanke dieser plötzlich neu erschaffenen 11 Tage – Zeit, die so nicht immer da war und sich daher anders anfühlt. In diesem Jahr hatte ich Glück und konnte ein paar freie Tage geniessen und konnte den Arbeitsplatz ruhen lassen. Aber jetzt wie auch in anderen Jahren, an denen ich zwischen den Feiertagen gearbeitet hatte, blieb dieses merkwürdige Gefühl bestehen. Eine Unruhe, ein Sich-Verändern-Wollen, ein grosses Fragezeichen zur eigenen Person, den eigenen Gedanken und Zielen. Das vergangene Jahr hallte noch nach, es war noch nicht abgeschlossen.

Zudem las ich davon, dass es nicht ungewöhnlich sei, wenn man zu Beginn eines neuen Jahres den Drang verspürt, zuhause aufzuräumen und zu entrümpeln. Denn auch hier soll Platz sein für neues. Für neue Ideen. Der Geist steht nie still. Unser «moderner» Geist sowieso nicht. Denn kein Tag gleicht heute mehr dem anderen. Wir sind getrieben, von Gedanken, von Wünschen, von Zielen und von unserer Umwelt. Anforderungen, Druck und Einflüsse, wo man steht und geht. Im (übrigens sehr empfehlenswerten) Buch «Die Mañana-Kompetenz – auch Powermenschen brauchen Pause» (Piper-Verlag) wird erschreckend treffend zusammengefasst, wie gross der Unterschied von heute zu früheren Zeiten ist. Bezogen auf Themen wie Arbeitsalltag, Ruhezeiten und Stressmanagement wird einem sehr schnell bewusst, was bereits eindeutig sichtbar ist in unserer Gesellschaft. Wir spüren uns nicht mehr.

Die Anforderungen an den einzelnen Menschen sind signifikant und in einer unglaublich kurzen Zeitspanne gestiegen. Wir alle bilden uns in Seminaren und Lehrgängen weiter, besuchen Fachhochschulen oder firmeninterne Kurse. Dies, um dem Druck und den Anforderungen weiter gewachsen zu sein. Was aber in den wenigsten dieser Weiterbildungen gelehrt wird, ist, wie man sich entspannt. Woher kommt ein Inpuls, der mir zeigt, dass ich Ruhe brauche? Wie bemerke ich eventuelle kleine Anzeichen? Erkenne ich Signale früh genug? Ich selber verfüge über ein ziemlich verlässliches Stress-Melde-System. Ich merke in Zeiten erhöhten Stresses, dass ich das Bedürfnis nach Rückzug habe. Alleine sein. Keine Termine. Abende für mich zur Entspannung, ohne äussere Einflüsse. Zudem verspüre ich im Nackenbereich ein Kribbeln, welches sich zu den Schulterblättern ausdehnt und wenn es wirklich akut ist, sogar die Wirbelsäule herab wandert. Wenn ich das Kribbeln so weit unten spüre, dann ist eigentlich schon «genug Heu dunde» und eine Ruhephase muss dringend eingeläutet werden. Ich werde von Mitmenschen, denen ich von diesem Stress-Melde-System erzähle, manchmal auch verwundert angeschaut. Sie kennen das nicht. Ein Bekannter meinte aber auch, dass er das bewundere, dass ich mich «so gut spüren» würde.


Tue ich das? Spüre ich mich? Nehme ich kleine Anzeichen von Überforderung bereits wahr oder spüre ich erst den Vorschlaghammer? Die Frage ist ja auch, DARF ich dies spüren? Ist es nicht eine Anforderung der heutigen Zeit, immer Vollgas zu geben, auch die Freizeit zeitmanagement-optimiert zu verplanen, von einem Event zum nächsten zu hüpfen; Familie, Freunde, Haustiere und Sport unter einen Hut zu bringen und dabei bitte immer schön zu lächeln? Würde denn ein Spüren eines solchen Anzeichens nicht bereits Schwäche bedeuten?

... gerade erst im neuen Jahr angekommen, treiben mich solche Gedanken aktuell sehr um. Die Hektik und das hohe Arbeitspensum der vergangenen Monate sind gerade mal so verdaut, ich habe mich ein wenig erholt. Neues steht an, will angepackt werden und dies natürlich erfolgreich. Wenn ich also nach den ersten paar Arbeitstagen im neuen Jahr motiviert in der Pilates-Stunde ankomme und feststelle, dass mein Kopf auch bei den wildesten Übungen keinen Halt macht, dann merke ich, dass die Gefühlschaos-Zeit noch nicht vorüber ist. Die Raunächte mögen zwar vorbei sein, aber mein Inneres steckt noch im Labyrinth fest.



Nach dem Pilates folgte dann der Versuch, dem Verstand mit einem heissen Bad Einhalt zu bieten. Aber trotz vieler Kerzen, Duftlicht, wohlriechendem Badesalz und Entspannungsmusik ... die Gedanken galoppierten mir nur so davon. Fokussiere! Lasse los! Halte die Gedanken nicht fest ... Ich muss das Meeting vom Freitag noch vorbereiten. Bleibe im JETZT! ... Hoffentlich kann ich die morgige Kampagne ohne Probleme versenden. HALLO SANDRA denke an nichts bestimmtes! Also: Atmen! Ich konzentriere mich auf die Atmung. Es soll gemäss meinem Pilates-Buch ja eine bewusste und kontrollierte Atmung sein, denn unsere Alltagsatmung sei ja eher zu flach und zu kurz. Eine Brustkorbatmung soll es also während des Pilates-Trainings sein. Jäää und in der Badewanne? Ich versuche also, in den seitlichen und hinteren Brustkorb zu atmen. Ist das gut, wenn man in der Badewanne liegt? GUGUS FOKUS? ... Ach, ich hatte heute sowieso Mühe im Training mit der Atmung. Eine kleine Erkältung macht mir zu schaffen. Schampar fokussiert und entspannt bin ich gerade! Wahnsinn! Entspannungsmusik hin oder her, meine Gedanken lassen sich heute nicht bändigen und nicht beruhigen.

Wann lernen wir, mit unserer Umgebung wieder im Einklang zu sein? Wann sprechen wir nicht mehr von Work-Life-Balance sondern einfach von Balance? Wann kommen wir zur Ruhe? Wenn ich die Mañana-Kompetenz lernen und anwenden kann, mich besser spüre und meine Bedürfnisse kenne und auch annehme, dann werde ich einen grossen Schritt weiter sein. Es ist nicht einfach, die Handbremse hin und wieder etwas anzuziehen. Dem Leben das Vollgas etwas runter zu drehen. Aber um wieder fühlen zu können, aus vollem Herzen, dafür bin ich gerne bereit, meine Schwächen auch anzunehmen und sie auszuleben und nicht zu übertönen oder zu verdecken. Nicht mit Terminen und Events und nicht mit dem Gedanken, immer rund um die Uhr für jeden erreichbar zu sein.

Vielleicht fühlt sich dann der nächste Jahreswechsel nicht mehr so chaotisch an, wenn ich auf meine Energien das ganze Jahr hindurch besser Acht gebe und versuche, meine körperliche und geistige Balance zu finden. Was tust du, um deine Balance im Alltag zu bewahren? Alles Liebe und viel Positives,

Sandra




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Quellen:

happinez – das mindstyle magazine 01/2019


Die Mañana-Kompetenz – auch Powermenschen brauchen Pause. G. Frank und M. Storch, Verlag Piper


Pilates Power – Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft. M. Ivancan, Verlag EMF


Bilder: pixabay.com

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